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  • AutorenbildIngrid Schieb

Wie kann eine gute Berufsvorbereitung gelingen?

Ein inklusives Forschungsprojekt der Hochschule Augsburg mit ehemaligen Teilnehmenden der beruflichen Qualifizierung


Nach über zwei Jahren der Qualifizierung von Menschen mit Beeinträchtigung für eine Arbeit in einem Hotelbetrieb war es im vergangenen Jahr an der Zeit, ein Fazit zu ziehen. Das Qualifizierungskonzept sollte erstmals auf den Prüfstand und von externer Stelle evaluiert werden.


Erfreulicherweise konnten wir für dieses Vorhaben die Hochschule Augsburg gewinnen und mit ihr Nicole Häckel und Simon Engel, zwei engagierte Studierende des Studiengangs Soziale Arbeit, die entschlossen waren, sich dem Thema in ihrer Bachelorarbeit zu widmen.


Zur Erforschung des Qualifizierungsprojekts hatten sich die Studierenden überzeugt für den Ansatz der partizipativen Forschung ausgesprochen. Im Gleichklang mit dem sozialpolitischen Leitspruch „Nichts über uns ohne uns“ steht sie für den Anspruch, mit Menschen zu forschen und nicht über oder für sie.


Zur Beteiligung an dem Forschungsvorhaben waren entsprechend alle ehemaligen Teilnehmenden (mit Lernschwierigkeiten) der beruflichen Qualifizierung eingeladen. Mit Nicole Häckel und Simon Engel bildeten schließlich fünf ehemalige Teilnehmende die Forschungsgruppe. Darunter Teilnehmende, die nach erreichtem Abschluss eine Anstellung in einem Hotelbetrieb auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erlangt hatten und auch Teilnehmende, die den Qualifizierungskurs nicht erfolgreich beendet hatten.


Über neun Monate hinweg hatte sich die inklusive Forschungsgruppe regelmäßig wöchentlich getroffen. Forschungsfragen, konkrete Methoden und Abläufe wurden gemeinschaftlich in der Gruppe festgelegt und umgesetzt. In gleichberechtigter Zusammenarbeit sollte herausgefunden werden, wie eine gute Berufsvorbereitung gelingen kann. Dafür hatten sich die Teilnehmenden Fragen gestellt, wie „Was hilft mir, neue Situationen zu meistern?“, „Was brauche ich, um erfolgreich zu lernen?“ und „Wie können sich die erfahrenen Teilnehmenden und die neuen Teilnehmenden gegenseitig helfen?“. Das fortwährende Ziel der Forschungsarbeit: Erkenntnisse aus bisher verborgenem Wissen zu generieren und sichtbar zu machen, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten, die für die Weiterentwicklung der Qualifizierung hilfreich sind und Erfolgserlebnisse für die Teilnehmenden ermöglichen.


"Behinderung, Beeinträchtigung oder doch lieber Handicap?"

Bevor es allerdings an die Auseinandersetzung mit obigen Leitfragen ging, galt es zur thematischen Annäherung zunächst grundlegende Begriffe und ihre Bedeutung für die Teilnehmenden zu klären. Besonders diskutiert wurden die unterschiedlichen Beschreibungen von Menschen mit Beeinträchtigung. In der Diskussion wurde deutlich, welche Begrifflichkeiten von den Teilnehmenden abgelehnt wurden und welche für sie teils auch mit schlechten Erfahrungen verbunden waren. So lehnte die Runde die Wörter „Behinderung“ und „geistige Behinderung“ ab. Eine hingegen bessere Umschreibung, mit der auch gute Erfahrungen gemacht wurden, war beispielweise „Menschen mit Lernschwierigkeiten“.


„Das ist alles wichtig, um Erfolgserlebnisse zu haben.“

Auf einer gemeinsam geschaffenen Grundlage zu Sprache und Umgang hatte die Forschungsgruppe schließlich in mehreren intensiven Workshops insgesamt sieben Handlungsempfehlungen erarbeitet. Allesamt wichtig, um persönlichen Erfolg zu erleben. Eine darunter ist: Unterstützung. Davon so viel wie nötig und gleichzeitig so wenig wie möglich. Denn erst dann kann sich Selbstständigkeit und Eigenverantwortung entwickeln.


Welche elementaren und teils auch überraschenden Empfehlungen für ein gutes Gelingen der Berufsvorbereitung von Menschen mit Lernschwierigkeiten noch aufgestellt wurden, können unten im ausführlichen Abschlussbericht der Forschungsgruppe nachgelesen werden.


Für diese umfangreiche und wertvolle Arbeit möchten wir allen Forschenden danken. Im Einzelnen der Hochschule Augsburg, den Studierenden Nicole Häckel und Simon Engel sowie unseren engagierten ehemaligen Teilnehmenden, Daniel Ganschinietz, Daniela Winkler, Philipp Orenic, Jonathan Peter und Lukas Wall.


Diese Ergebnisse tragen dazu bei, die berufliche Qualifizierung weiterzuentwickeln und mehr Menschen mit Beeinträchtigung den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Denn: Jede:r sollte seinen Platz in der Gesellschaft finden können. Das ist unsere Motivation.



Hier geht es zum Abschlussbericht des Forschungsprojekts zur beruflichen Qualifizierung:

einsmehr_bQ-Forschungsprojekt_Abschlussbericht
.pdf
Download PDF • 1.53MB









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